Ein Popolski ausser der Rand und der Band

Der Familie Popolski steht seit einiger Zeit nicht mehr gemeinsam auf der Bühne. Familienoberhaupt Pawel Popolski alias Achim Hagemann (51) aber schreibt die Geschichte seiner berühmten Sippe fort und ist seit geraumer Zeit (fast) solo mit Polka und neuen Unglaublichkeiten rund um die Erfindung des Pop unterwegs. Mit seinem Programm „Außer der Rand und der Band“ tourt er aktuell auch in und um Köln.

Hagemann, der Anfang der Neunziger mit seinem Comedy-Partner Hape Kerkeling und der Sendung „Total Normal“ TV-Geschichte schrieb, ist aber noch mehr als „nur“ der Vorzeige-Pole der Nation. Was man in seiner Show erwarten darf, was der Komponist und Autor noch so auf dem Kasten hat und ob es vielleicht mal ein gemeinsames Comeback mit Hape geben wird – über all das sprach er mit Jeckes.NET.

Foto: Stephan Pick

Achim, der Familie Popolski hat sich vor vier Jahren getrennt – obwohl alles gut lief und ihr immer beliebter wurdet. Was war der Auslöser?
Wir alle wollten nach der langen Zeit als Popolskis auch wieder eigene Projekte verfolgen. So toll alles war, war es auch sehr zeit- und kräftezehrend. Viel Raum für andere Dinge blieb keinem von uns. Ich persönlich wollte auch in Ruhe mein Buch über die Popolskis schreiben und wieder mehr komponieren. Außerdem: Janusz, die trübe Tasse, und Dorota sind ja auch in meinem Solo-Programm dabei.

Eben, du bist weiterhin als Pawel Popolski unterwegs. Also hat dich nicht das Konzept beziehungsweise die Idee an sich ermüdet, sondern der Tour-Zirkus?
Ja, das ist so. Ich habe zwischendurch ständig am Programm gefeilt, wir haben viel geprobt, sind sehr oft getourt – das ist ein hoher zeitlicher Aufwand. Anderes kommt da zwangsläufig ein bisschen kurz. Mit zwölf Musikern und zehn Technikern war das schon ein ordentlicher Tross, der da immer unterwegs war. Und ich war nicht nur in der Rolle des Pawel das Familienoberhaupt, sondern auch derjenige, der in Wirklichkeit die Schäfchen zusammenhalten musste. Das war wie eine dauerhafte Klassenfahrt mit mir als Lehrer.

Was passiert denn nun in der Solo-Show von Pawel, was dürfen die Zuschauer erwarten?
Viel Musik und Polka natürlich. Ich habe mein Schlagzeug dabei und das vielfach unterschätzte Orchesterinstrument Kesselpauke. Dorota hat ihre Gitarre im Gepäck und wir erzählen viel neues und unglaubliches aus der Welt von Opa Popolski und seinen wegweisenden Kompositionen. Außerdem gibt es neue Enthüllungen, die der wenigsten wussten. Oder kennst du etwa das alte polnisches Kulturvolk der Mayek? Sie haben schon vor 2000 Jahren auf den Tag genau eine Katastrophe vorhergesagt: die erste Single von Dieter Bohlen. Wir singen und schunkeln gemeinsam mit dem Publikum und die vom Polkaüberwachungsverein (PÜV) vorgeschriebenen Wodka-Pausen werden natürlich auch eingehalten.

Ich will mal einen gewagten Vergleich ziehen. Dave Grohl, auch Schlagzeuger wie du, stieß Anfang der Neunziger – also während deiner „Total Normal“-Phase – zu einer Band namens Nirvana. Mit ihr wurde er drei Jahre zum Superstar bis zum Tod ihres Frontmanns Kurt Cobain. Später gründete er dann die Foo Fighters – heute einer der größten Rockbands der Welt und nach Grohls eigenem Bekunden sein Lebenswerk. Du gründetest nach deiner sehr erfolgreichen aber recht kurzen TV-Zeit Der Familie Popolski … dein Lebenswerk?
Es ist auf jeden Fall das Projekt, auf das ich am meisten stolz bin. Insofern stimmt dein Vergleich. Am Anfang hat keiner auf uns gewartet, die Veranstalter wollten uns einfach nicht. Da haben wir uns entschlossen, auf die Ochsentour zu gehen und durch so viele Clubs zu tingeln wie nur möglich. Da waren auch Abende wie in Essen dabei, wo wir in einem kleinen Laden vor fünf Leuten gespielt haben. Es ist für einen Musiker die Horrorvorstellung schlechthin, mehr Leute auf als vor der Bühne zu haben. Fünf Jahre später füllten wir in Essen die Grugahalle und hatten 5000 Zuschauer. Auf einen solchen selbst erarbeiteten Erfolg darf man schon stolz sein.

Viele kennen dich nur von früher, als Partner von Hape Kerkeling, und als Popolski-Macher. Dabei bist du auch als Komponist sehr beschäftigt. Nenn doch mal dein paar Projekte, an denen du in letzter Zeit gearbeitet hast, damit der Leser mal einen Überblick über deine Bandbreite bekommt.
Okay. Die Musik für das „Kein Pardon“-Musical, dass gerade übrigens erfolgreich in Leipzig läuft, stammt komplett aus meiner Feder, das ist die Bühnenversion von Hapes Kinofilm aus den Neunzigern. Dann haben ich die Titelmelodie von „Maischberger“ zusammen mit Anette Humpe komponiert. Aktuell durfte ich am neuen Album von 2Raumwohnung mitschreiben und an vier Stücken der neuen Platte von Max Raabe mitwirken, was mir eine besondere Ehre war. Max` neue Single „Fahrrad fahr`n“ etwa stammt von mir.

Wie ist es mit Max Raabe zu arbeiten? Irgendwie kann man sich kaum vorstellen, dass der Mann auch albern sein kann …
Oh, Max kann unglaublich albern sein! Es war eine tolle Zusammenarbeit. Das fing vor etwa anderthalb Jahren an, als ich ihm eine meiner Songideen im Auto vorgesungen habe. Er fand es gut und nach und nach kamen weitere Ideen dazu. Mit Max gemeinsam zu schreiben beginnt immer nachmittags bei Kaffee und einem Stück Streuselkuchen. Das ist eines seiner typischen Rituale. Wir hatten ein paar solcher Treffen und wirklich viel Spaß zusammen. Die Terminfindung war nicht immer ganz einfach, da sowohl er als auch ich nun einmal oft auf Tournee sind.

Foto: Stephan Pick

Am 12. März wird zum zweiten Mal der Comedypreis „Recklinghäuser Hurz!“ in deiner Heimatstadt verliehen – mit dir als Präsidenten. All das nur, weil du und dein Freund Hape mit Mitte 20 vor über einem Vierteljahrhundert eine bekloppte Idee hattet, die dann auch noch gesendet wurde. Macht das mit Anfang 50 zufrieden?
Auf jeden Fall! Ich finde es toll, dass die Leute sich heute immer noch an diesen Sketch erinnern können. Mich nervt es überhaupt nicht, wenn ich darauf angesprochen werde. Dazu kommt ja, dass wir damals wirklich Überzeugungsarbeit leisten mussten. Die Idee wanderte bei Radio Bremen, das „Total normal“ produzierte, von Stapel zu Stapel. Moderne klassische Musik war ihnen als Thema wohl zu heikel. Aber irgendwann haben wir es zum Glück durchziehen dürfen und keiner hätte wohl gedacht, dass wir heute noch darüber sprechen und es jetzt sogar einen Preis namens „Hurz!“ gibt. Den bekommt in diesem Jahr übrigens Helge Schneider verliehen, den ich sehr verehre.

Dein Grundschulfreund Hape hat sich in den letzten Jahren medial zurückgezogen, aber ihr habt sicher immer noch guten Kontakt. Gab es da nicht mal eine bierseelige Idee, vielleicht doch noch einmal gemeinsam was fürs Fernsehen auf die Beine zu stellen? Und wenn auch nur für eine Show? Die Sender würden euch doch die Füße küssen …
Wir haben natürlich noch sehr guten Kontakt und tatsächlich auch einmal über neue Ideen geredet, aber da ist noch nichts spruchreif. Ansonsten fühlt Hape sich glaube ich ganz wohl in seinem Vorruhestand.

Vorruhestand ist gut – das haben schon andere versucht, Stefan Raab zum Beispiel. Nach zwei Jahren zieht es ihn jetzt auch wieder in die Öffentlichkeit, zumindest auf die Bühne.
Sicher, man weiß ja nie, aber es läuft wohl alles gut bei ihm, wie es so gerade ist, Außerdem wird Hape sicherlich weiter schreiben, das hört ja nicht auf.

Die Idee, über die du nicht sprechen möchtest, hat aber nichts mit einer Leinwand zu tun, oder?
(Lacht) Ich, also … nein, kein Kommentar.

Für Dich gibt es ja auch noch genug mit der Popolski-Soloprogramm zu tun. Was meinst du, trägt diese Familie dich bis zum Ruhestand?
Ich glaube sogar, dass die Idee über meine Rente hinaus tragen kann (lacht). Es gibt genug Material: Alleine alle Popsongs der letzten 50 Jahre! Und all die zeitgeschichtlichen Ereignisse, von denen niemand weiß, dass sie in Wahrheit auf die Polen zurückgehen. Nimm alleine die Mondlandung: die Polen waren eine halbe Stunde vor den Amerikanern oben, das wissen der wenigste! Ach, die Popolskis laufen jetzt seit 15 Jahren, warum nicht weitere 15 Jahre oder länger? Es gibt ja auch noch genügend jüngere Familienmitglieder, die irgendwann das Zepter übernehmen könnten.

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