Grusel! Das ist der Kölner Jeisterzoch

Zehntausende Jecke im Zoch und an der Straße werden wieder dabei sein. // Foto: Schmülgen

Das Jahr 1991: Golfkrieg im Irak, mitten in der Session. Erst wird gezögert, doch dann sagt das Festkomitee den Rosenmontagszug schließlich ab. Er geht trotzdem, wenn auch völlig anders als üblich. Tausende Jecke aus dem alternativen und organisierten Karneval ziehen in einer bunten und lauten „Friedensdemonstration“ durch die Stadt.
Diese spontane Aktion wurde zur Legende. Inzwischen existieren Bücher darüber, im Kölnischen Stadtmuseum ist noch bis zum 25.03. eine Ausstellung zum Thema zu sehen.

Ein Jahr später, als et Trömmelche wieder ganz geregelt wie gewohnt durch Köln zog, machten sich die Organisatoren des Friedenszugs Gedanken, wie man neben der Stunksitzung eine weitere Größe im alternativen Karneval etablieren könnte. Schnell stieß man auf die Idee eines Geisterzugs, der bereits in grauer karnevalistischer Vorzeit (um 1860) in Köln stattfand. Denn – wir erinnern uns: Die ursprüngliche Idee des Karnevals bzw. Umzugs ist ja die, den Winter zu vertreiben. Das geht nun einmal am besten mit Spuk und Geistern, da gruselt sich jede Schneeflocke.

Auch wenn es hier anders aussieht: Alleine bleibt beim Jeisterzoch niemand. // Foto: Schmülgen
Jeder darf mitmachen

Los ging es an Karnevalssamstag 1992 mit einem sehr langen Marsch kreuz und quer durch die City. Heute, 26 Jahre später, hat sich nicht viel verändert – bis auf die Tatsache, dass die Organisation runder läuft, als in den „wilden“ Anfangstagen. Der Geisterzug geht nach wie vor am Karnevalssamstag und sucht sich jedes Jahr eine neue Strecke. Auch gibt es immer noch weder Kamelle noch Strüsjer oder Musik aus der Konserve, keine Werbung, keine Fahrzeuge und keine wirklichen Regeln. Jeder kann ohne Anmeldung mitziehen, egal ob als Geist, Zombie, Gruselclown oder einfach nur mit einer Pappnas. Und wer möchte, darf mit Plakaten oder anderen Dingen ein paar politische Botschaften unter das Volk bringen.

Wie viele jedes Jahr teilnehmen, ist schwer zu sagen. Waren es Anfangs inklusive Zuschauern um die 10.000 Jecke, gehen Schätzungen der letzten Jahre in den sechsstelligen Bereich. Klar ist: Der Geisterzoch an Karnevalssamstag ist eine großartige Veranstaltung, die die Vielfältigkeit des Kölner Fastelovends ausdrückt und einfach großen Spaß macht – ob als „Mit-Geist“ oder am Straßenrand.

Jeisterzoch 2018
Heute, an Karnevalssamstag den 10. Februar, ziehen die Gruselgestalten zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder durch die Gassen der Schäl Sick. Motto: „Poppe, net Kloppe – mer trecke för dr Fridde“. Um 18.00 Uhr ist Aufstellung an der Waldecker Str./Ecke Klaprothstr. Ab 19 Uhr geht es dann quer durch Kalk auf der Strecke Waldecker Str. / Solinger Str. / Kalk-Mülheimer. Str. / Vorsterstr. / Josephs-Kirchstr. / Sieverstr. / Rolshover Str. / Gremberger Str. / Taunusstr. / Trimbornstr. / Auflösung: Deutz-Kalker Str.

Wie gesagt: Jeder ist eingeladen, ob als Zuschauer oder Teilnehmer!

 

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